Ethische und rechtliche Herausforderungen digitaler Medizin in Pandemien (forthcoming in German and English): Chancen, Risiken und Kompromisse

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Die Covid-19-Pandemie, und die damit einhergehenden Mobilitäts-Begrenzungen, Kontaktverbote, Handy Überwachungs-Apps, sowie weitere Strategien zur Eindämmung von Infektionsketten, hat im letzten Jahr zu einem eindeutigen Anstieg der Nutzung digitaler Anwendungen im öffentlichen und privaten Gesundheitswesen geführt. Auch die Möglichkeiten der Kontaktvermeidung durch die Fernüberwachung von Patienten in Krankenhäusern und im Heimpflege-Bereich steuerte zu diesem Trend bei. Verbesserte Daten-Analysen in der Forschung, Entwicklung und Prüfung von neuen Therapien, sowie das wachsende Potential der Künstlichen Intelligenz für im Eilverfahren entwickelte diagnostische Methoden und Impfstoffkandidaten, resultierte ebenfalls in einer gestiegenen Nachfrage und Anwendung von digitalen Hilfsmitteln unter Ärzten, Patienten, Krankenhäuser, Forschern und Unternehmen.

Obwohl viele dieser neuen digitalen Möglichkeit regen Zuspruch und Unterstützung in der Bevölkerung erhalten, zeigte sich jedoch auch bald dass nicht alle Anwendungen technisch voll ausgreift waren und dass neue Antworten auf ein breites Spektrum von Risiken und Sicherheitsmängeln gefunden werden müssen (Lizzie O'Shea, 2020). Der Einsatz dieser technischen Innovationen wurde daher nicht nur von sozioökonomischen und politischen Diskussionen begleitet, sondern auch von ethischen und rechtlichen Debatten. Themen wie Datenschutz, Cybersicherheit, Einwilligung, Transparenz, Diskriminierung, Eigentum und eine gerechte Verteilung und Zugang zu den digitalen Möglichkeiten spielen hierbei eine wichtige Rolle. Zudem hatte die Pandemie nicht nur einen unmittelbaren Einfluss auf verschiedene Eilgesetze und die ethischen Debatten zur Gefahrenabwehr und zur Organisation des Gesundheitswesens. Vor allem in Deutschland zeigte sich auch erst kürzlich das Zusammenspiel der COVID-19 Krise mit einer Reihe von bahnbrechenden Gesetzen im Bereich der digitalen Medizin, die schon seit längerem geplant wurden. Als Beispiele seien hier nur das erst kürzlich beschlossene Digitale Versorgungsgesetz (Digitale-Versorgung-Gesetz – DVG, 2019) also auch das Krankenhaus- Zukunftsgesetz ((Krankenhauszukunftsgesetz – KHZG, 2020), genannt. Es wurde dabei schnell deutlich das die COVID-19 Pandemie die teilweise heftigen Debatten über diese neuen Gesetze verstärkte und damit die brennenden Fragen am Schnittpunkt von Ethik und Recht noch weiter hervorhob.

Vor diesem Hintergrund werden wir in dem nächsten Abschnitt 2 zunächst einen kurzen Überblick über die Möglichkeiten und Anwendungsbereiche der digitalen Medizin in Pandemien geben. Unsere Auswahl konzentriert sich vor allem auf Fallbeispiele die sich in der aktuellen COVID-19 Pandemie herauskristallisiert haben, und die wir für besonders relevant für die Erörterung von ethischen und rechtliche Fragestellungen halten. Sodann werden wir in Abschritt 3 die Bedeutung der Wechselwirkung von Ethik und Recht kurz erörtern, was auch die Frage der Unterscheidung von Ethik und Recht beinhaltet. Dies liefert die Grundlage für eine mehr eingehende Diskussion von ausgewählten Fragestellungen in Abschnitt 4, die nicht nur ethische und rechtliche Problembereiche und Risiken verdeutlicht, sondern auch Lösungsoptionen aufzeigt. Abschnitt 5 fast schließlich die Ergebnisse unserer kurzen Untersuchung zusammen und gewährt einen Ausblick auf zukünftige Herausforderungen und Möglichkeiten.
OriginalsprogEngelsk
TitelPandemien und Ethik
RedaktørerAndreas Alois Reis, Martina Schmidhuber, Andreas Frewer
Antal sider40
ForlagSpringer
StatusAfsendt - 2021

ID: 253040541